Kunst und Kultur in Ghana

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Monarchie

Wie oben schon erwähnt, ist Ghana ein moderner Staat mit einer parlamentarischen Demokratie. Die einzelnen Regionen werden aber monarchisch regiert. Hier wird ganz besonders Wert darauf gelegt, die alten Traditionen trotz Modernisierung zu erhalten. Auf oberster Stufe steht der Omanhene – König des Staates (chief) und auf den unteren Stufen folgen Gebiets- und örtliche Könige. Die britischen Kolonialsten nutzten diese alten Strukturen für ihre Taktik der “Indirect Rule”: Die ghanaischen Herrscher durften ihr Amt behalten, doch die oberste Kontrolle lag bei der britischen Krone. Nach der Unabhängigkeit wurden die monarchischen Strukturen beibehalten und in der Verfassung verankert. Die Monarchen haben bis heute eine wichtige Funktion als Berater, insbesondere in der Landespolitik der höchsten Ebene. Es gibt auch ein Parlament der Könige, wo sich die chiefs ab und zu zusammenfinden, um die Politik des aktuellen Regierungskabinetts zu kommentieren.

Die Stellung der Frau

In der größten Bevölkerungsgruppe, den Akan, lebt eine weitere alte Tradition fort: die matriarchalische Struktur, das heißt die mütterliche Linie entscheidet in Fragen der Blutsverwandtschaft. Jedes Kind folgt demnach der Ahnenreihe der Mutter. Die Frau besitzt auch stets das Sorgerecht für die Kinder nach einer Scheidung. Auch die Erbschaft erfolgt “matrilinear”: nach dem Tod des Ehemannes erben nicht seine eigenen Kinder, sondern die Kinder seiner Schwester. Daraus könnte man schlussfolgern, dass die Frau in der ghanaischen Gesellschaft eine von Natur aus hohe Stellung genießt. Man muss aber bedenken, dass die Briten ihr eigenes patriarchalisches System einführten, was dazu führte, dass es bis heute eine geschlechtspezifische Ungleichheit gibt: Männer erlangen leichter höhere Positionen im Beruf, Frauen werden der Doppelbelastung von Kind und Arbeit ausgesetzt und erreichen oft nicht denselben Bildungsgrad wie Männer. Auch die Polygamie wird hier und da praktiziert. Auch wenn viele Frauen es nicht leiht haben in Ghana, so ist das Frauenbild grundsätzlich ein positives. Die Frau ist zweifellos eine wichtige Arbeitskraft und Versorgerin, ohne deren Einsatz die gesamte Wirtschaft zusammenbrechen würde. Darüber hinaus wird sie als dem Mann gleichwertig gesehen und respektiert. Es ist selbstverständlich, dass sie unabhängig einer Arbeit nachgehen kann. Im Gegensatz von einer vom Islam geprägten Gesellschaft steht die Frau in Ghana nicht unter den Fittichen des Mannes. Es gibt in der Akan-Tradition auch Initiationsriten für junge Mädchen, die ihre erste Menstruation haben. Beschneidungen gibt es nicht, nur Feierlichkeiten, um das Mädchen in die Welt der erwachsenen Frauen einzuführen.

Religionen

Traditionell sind die Ghanaer von Grund auf tief religiös. Der ganze Alltag spiegelt dies wieder. Man liest überall religiöse Sprüche, wie “In God we trust” oder “The Lord is great” auf Autos und anderen Fahrzeugen. In Ghana herrscht Religionsfreiheit und Toleranz für alle möglichen Glaubensformen der Welt. Alles ist hier vertreten, allerdings ist das Christentum die dominante Religion. Das Christentum ist dabei selbst sehr heterogen, viele verschiedene Kirchen entstanden im Zuge der Missionierungen, zum Beispiel die der Methodisten, Anglikaner oder Presbyterianer. Dem islamischen Glauben gehören etwa 15 % aller Einwohner an.

Kunst und Architektur

In der ghanaischen Kultur finden sich viele europäische, arabische und afrikanische Einflüsse. Modernität und Tradition gehen in Ghana Hand in Hand, was als eine Bereichung für die Kultur gesehen wird. Kunst wird in erster Linie als Kunsthandwerk verstanden, sie wurde stets für einen praktischen Zweck geschaffen. Heute existiert ein Kunstmarkt, der im Zuge des Tourismus entstanden ist. Hier können günstige Schnäppchen gekauft werden, die nichts mit dem traditionellen Handwerk zu tun haben.

Von besonderer Bedeutung ist die Keramik, als eines der ältesten Handwerke in Ghana. Die Töpferwaren können vielerorts erstanden werden, meist sind sie schlicht oder einfach verziert. Berühmt sind auch die Ashanti-Goldgewichte, Schnitzereien, Edelmetall-Schmuck und Webstoffe. Gerade letztere sind mit ihren lebhaften, bunten Farben besonders beliebt. Der traditionelle Kente-Stoff ist auch das Material für die Königsgewänder. Er wird von Hand gewebt, wobei verschiedenste Farbkombinationen und Muster entstehen. In der Ashanti-Region ist diese Tradition zuhause, die meisten Weber leben hier.

In der Architektur entstanden typische Stile aufgrund von soziohistorischen und ökologischen Bedingungen. Außerhalb der Städte in den ländlichen Gebieten dominiert die Lehmarchitektur das Bild. In Nordghana hat sich eine andere Bauweise durchgesetzt. Typische sind dort sogenannte Rundhütten mit kegelförmigen Strohdach. Architektur europäischen Ausmaßes, wie monumentale Kirchen und Schlösser findet man in Ghana nicht. Außer den zahlreichen Sklavenburgen gab es keine Einführung heimischer Stile durch die europäischen Besetzer. So sind die Sklavenburgen die typische Architekturform der Kolonialzeit. Nur in großen Städten wie Cape Coast, Kumasi und Accra gibt es vereinzelt noch Überbleibsel der britischen Bautätigkeit in Form von Villen für Beamte. Von einer eigenen Stadtarchitektur kann man auch nicht sprechen, die bevorzugten Materialien sind Zement und das Wellblech, beides durch die Europäer eingeführt.

Musik

Die Ghanaer lieben Gesang, Musik und das Tanzen. Neben der traditionellen Musik gibt es moderne Strömungen, die den Alltag in Ghana prägen. Dass die Trommelkunst sehr präsent ist zeigen allein die zahlreichen Angebote für Trommelkurse. Getrommelt wurde früher zu jedem Anlass: zu Beerdigungen, zu Hochzeiten oder zur Begleitung der Armee in den Krieg. Auch der Bau von Trommeln hat sich zu einem Kunsthandwerk entwickelt und Trommeln sind auch beliebte Erinnerungsstücke für Touristen.

Eine moderne Musikrichtung, die in Ghana entstanden ist, ist „Highlife“, ein Stil, der den gleichen Kultstatus genießt, wie der Reggae aus Jamaika. Als einer der Begründer gilt der Musiker E.T. Mensah. Highlife bedient sich verschiedener Elemente aus dem amerikanischen Jazz und afrikanischer Musik. Einige bekannte Highlife-Bands sind Pat Thomas, George Darko und Daddy Lumba. Der Handel mit Musik wird hauptsächlich mit Raubkopien betrieben. Auch bespielte Kassetten haben keine gute Qualität. Der Reiseführer empfiehlt für diejenigen, die ghanaische Musik mit nach Hause nehmen wollen, eigene bespielbare Kassetten mitzubringen und Musik aufzeichnen zu lassen. Möglich ist dies in Music Shops oder an Straßenecken.

Literatur

Ghana besitzt zwar eine alte Erzählkunst, aber die Schriftkunst entwickelte sich erst im Zuge der Schulgründungen durch die Briten. Die einheimische Literatur etablierte sich schließlich nach dem zweiten Weltkrieg, als im Unabhängigkeitskampf politische Schriften verfasst wurden. Erst nach der Unabhängigkeit konnte sich Ghana auch auf dem Gebiet der Belletristik behaupten. Doch der Beruf des Schriftstellers ist in Ghana nicht ertragreich, da ein Großteil der Bevölkerung nicht lesen und schreiben kann. Nur wenige Autoren und Autorinnen waren erfolgreich und wurden im Rest der Welt bekannt. Zum Beispiel Ama Ata Aidoo, Amma Darko und Ayikwei Armah erlangten verhältnismäßig großen Erfolg. Ihre Werke wurden sogar ins Deutsche übersetzt. Die Romane von Amma Darko spiegeln das Bild armer, sozialer Milieus in Ghana wieder. Wunderschön, aber auch sehr traurig ist Ayi Kwei Armahs „Die Schönen sind noch nicht geboren“.

Feste

Als „Land der 1000 Feste“ bezeichnet Jojo Cobbinah sein Land, bevor er in seinem Reiseführer die Ghanaer als ein besonders feierlustiges Volk beschreibt. Es wird tatsächlich viel gefeiert in Ghana, es gibt immer einen Anlass, ob historisch, religiös oder privat. Für einen detaillierten Überblick der Feste in Ghana sei auf den Festekalender von Jojo Cobbinah verwiesen.
Beerdigungen, um ein Beispiel zu nennen, sind nicht wie bei uns steif und deprimierend, sondern werden als richtige Feste gesehen und gefeiert. Beim Begräbnis wird getrauert und anschließend bei Essen, Trinken, Musik und Tanz gemeinsam gefeiert. Die Trauerfarbe der Kleidung ist schwarz, dunkelrot oder ockerfarben.

Traditionelle Festtage werden vom “Durbar” begleitet. Darunter versteht man die Zeit, in der sich die Könige sich ihrem Volk präsentieren. Die Monarchen zeigen sich dann in all ihrer Pracht und nehmen das Treubekenntnis des Volkes entgegen. Die Durbar-Tage sind fröhlich, es wird viel getrommelt.

Je nach Region werden andere Feste zu unterschiedlichen Zeiten gefeiert. Man sollte unbedingt die Möglichkeit ergreifen, Zeuge eines ghanaischen Festes zu sein. Der Festkalender gibt Auskunft wann und an welchem Ort welches Fest zelebriert wird. Auch bei uns bekannte Feier-Anlässe wie Ostern und Weihnachten werden in Ghana auf eine andere Weise gefeiert und sind es wert dabei zu sein.

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